Mit Zelt & Rad durch Kalkfelsen – ein Reisebericht aus Frankreich

„Insgesamt legten wir in neun Tagen 363 Kilometer und 5.700 Höhenmeter zurück.“
© Beatriz Hasler
Das französische Naturschutzgebiet Vercors mit seinem Hochplateauist bekannt für dichte Wälder, tiefe Kalkstein-Schluchten und seine bedeutende Rolle im französischen Widerstand.
La Chapelle, unser auserwählter Ausgangs- Ort inmitten des Gebirgsmassivs Vercors in den französischen Alpen. In diesem Dorf erwarten uns eine schmucke Häuserzeile, Restaurants, Eisdielen und ein Schwimmbad. Im Camp Bruyeres zentral oberhalb des Hauptplatzes schlagen wir für die erste Nacht unsere Zelte auf. Die Recherche im Internet hat uns die schwierige, aber landschaftlich umwerfende Mountainbike-Runde Grand Tour du Vercors (GTV) vor Augen geführt, die wir keinesfalls unversucht lassen wollen.

Hochplateau – Schweiß und Sorbet

Voller Tatendrang steigen wir am Morgen trotz Regenschauer auf die beladenen Räder und lassen den verlockenden Bauernmarkt links liegen. Technisch bringt uns die oft zu steile und steinige Mountainbike-Route mit ihren 770 Höhenmetern schnell an unsere Grenzen. Wir schaffen es teilweise nur schiebend und langsam voran. Wir begegnen lediglich drei Reitern zu Pferd und einer Familie in gelben Regenponchos. In einer Boulangerie heben hausgemachtes Brot und Heidelbeer-Sorbet die leicht lädierte Moral der Gruppe, bevor es flacher an menschenleeren Haiden entlanggeht. Über eine Abkürzung empfängt uns die „Nécropole de la Résistance“ am Anfang des Ortes Vassieux-en-Vercors: eine stille Erinnerung an die gefallenen Widerstandskämpfer des Krieges, dessen Kreuze symmetrische Schatten in der tiefen Abendsonne werfen.

Wir verweilen zwei Nächte im freundlichen, naturbelassenen Camping des Pins. Ein gepäckloser Tagesausflug entlang der von Himbeeren gesäumten Forstwege führt uns über einen Grat und beschert uns einen weiten Ausblick übers Tal. Am nächsten Tag geht es weiter durch eine Haide, die uns an die Postalm bei Strobl erinnert, zum Anfang der Serpentinenstraße namens Route du Col de Rousset. Wir lassen uns freudig 20 Kilometer nach Die hinunterrollen, wo uns schlagartig die Hitze ins Gesicht knallt. Am Campingplatz Les Bords de Lyonne ergattern wir den letzten freien Platz. Unser Nachbar namens Diablo, ein spanischer Kampfhund, lässt sich leider nicht freundlich stimmen. Wir flüchten zum Fluss, um uns abzukühlen und flanieren zum Bauernmarkt am Hauptplatz.

Steinpools, Crêpes und Hanfplantage

Das Nullsummenspiel der Höhenmeter treibt uns früh auf die Sättel. Nach einem Zwischenstopp im Fahrradgeschäft fahren wir entlang der D172 zwischen Lallet und L‘Escoulin hinauf zum Col de la Croix ohne Schatten. Als sich die Gelegenheit bietet, unter einer Brücke in einen Steinpool im Bach zu springen, nutzen wir diese sofort. Die 950 Höhenmeter lassen sich nur mit einem klaren Ziel meistern. La Ferme de la Sauzy, ein familiärer Campingplatz mit Open- Air-Crêpe-Stand, ist voll, doch man überlässt uns eine ungemähte Wiese neben der Hanfplantage und wir schlafen weich wie auf Wolken.

Nach einem Anstieg zum Col de Bacchus erreichen wir das Kloster Léoncel, das sich ideal für ein Picknick im Garten eignet. Anschließend radeln wir vorbei an Eseln und Pferden nach Saint-Jean-en-Royans. Der Campingplatz Les Bords de Lyonne neben dem Rugbyfeld ist der günstigste unserer Tour und bietet für nur 29 Euro die beste Infrastruktur mit vielen Spielmöglichkeiten und einem Tiergehege.

Tunnel, Staudamm und Skigebiet

Zwischen Gipfeln führt unser Weg durch mehrere spektakuläre Felsen und Tunnel – einer davon 1.700 Meter lang. Das Radeln neben den dröhnenden Autos ist wenig entspannend, die Landschaft umso lohnender. Vorbei am Staudamm führt eine Holztrasse über Wiesen und einen Fluss zu einem beliebten Picknickplatz. Wir begegnen einem Straßentheater, und von unserer erhöhten Camping-Terrasse in La Porte St. Martin genießen wir den Sonnenuntergang. Die blauen Schilder zwischen all den bunten Fähnchen in den Orten bis Autrans-Méaudre weisen darauf hin, dass hier auch Wintersport groß geschrieben wird. Die Kinder testen die Sommerrodelbahn, während wir uns in Autrans-Méaudre im Laden „Les Saveurs du Haut Plateau“ mit großartigen regionalen Produkten eindecken. Über das Col de Croix-Perrin erreichen wir am Waldweg Lans-en-Vercors und das bestens ausgestattete Camp Bois Sigu.

Die letzte große Hürde

Die abwechslungsreiche nächste Etappe führt uns durch Landschaften, die uns abermals ans Salzkammergut erinnern, bis uns die kleinen französischen Orte aus dem Déjà-vu reißen und wir an Biathlon und Golf vorbei den letzten Mountainbike-Trail in Angriff nehmen: 800 Höhenmeter geht es hinauf durch den Wald. Um drei Uhr erreichen wir den ersehnten Gipfel neben der Skihütte. Dann geht’s bergab, vorbei an einem netten Bikepacker aus Grenoble, dessen Hab und Gut wir auf dem holprigen Trail mehr als einmal für ihn aufklauben. Unseren Ausgangspunkt La Chapelle erreichen wir nach neun Tagen wieder, glücklich, eine so schöne neue Region entdeckt zu haben.

Tipps & Infos

Camping Municipal „Les Bruyéres“: campinglesbruyeres.wordpress.com

Camping des Pins: campingvassieux.com

Die Municipal Camping: camping-die.com

La Ferme de La Sauzy: fermedelasauzy.fr

Camping „Les Bords de Lyonne“: camping-saintjeanenroyans.com

La Porte St. Martin: camping-laportestmartin.fr

Camping le Vercors: campinglevercors.fr

Camping Bois Sigu: camping-lans-en-vercors.fr


Office de Tourisme Vercors Drôme: vercors-drome.com


Text und Bild: Beatriz Hasler


Ein Artikel aus der Camping Revue 3/2026.

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