FKK in Frankreich: Eine Campingreise durch Gascogne und Médoc
Hüllenlos in Frankreich

Im Südwesten Frankreichs, in der Region Nouvelle-Aquitaine, besuchen wir zwei Plätze, auf denen Sie ihre Kleidung getrost in den Koffern lassen können. Außerdem streifen wir durch dichte See-Kiefernwälder und zuckeln entspannt über die berühmte Weinstraße im Médoc.
Am Flughafen Bordeaux nehmen wir den vorbestellten Camper entgegen. Von dort fahren wir direkt auf die Autobahn in Richtung spanische Grenze. Nach etwa 90 Minuten biegen wir beim imposanten Wasserturm von Vielle in den dichten Wald ab. Am Empfang von Arnaoutchot werden wir freundlich auf Deutsch begrüßt. Dann geht es zu unserem zugewiesenen Platz unter den Pinien. Es sind nur ein paar Minuten zum Restaurant zu spazieren. Da kommt uns gleich eine Radfahrerin entgegen, so wie Gott sie geschaffen hat. Auch wir sind unbekleidet, allerdings haben wir gegen den Wind vorgesorgt.

Wunderbar sind dann die Gerichte im Fisch-Lokal Tapita. Vor uns steht ein Riesentopf mit Meeresfrüchten um wohlfeile 17 Euro, dazu gibt es einen feinen Weißwein. So kommt jeder von uns auf bescheidene 24 Euro für ein außergewöhnliches Abendessen.

Der Morgen beginnt mit frischen Croissants aus der Bäckerei. Dann geht es ab zu den Swimming-Pools. Nachmittags lassen wir uns von Joke Fourggs, die schon seit 28 Jahren am Platz arbeitet, informieren: Trotz Corona-Pandemie ist das Dorf im Sommer 2020 zu 85 Prozent ausgelastet. Die Animation in der 45 Hektar großen Anlage wurde angepasst und genau reguliert. 50 Prozent der Gäste stammen aus Frankreich, es folgen Holländer, Deutsche und andere Nationen.

Jeden Montagabend findet ein Markt statt, bei dem es an 30 Ständen unter anderem Produkte aus der Region wie Oliven, Wein, Kleidung, Tapas, marokkanisches Gebäck, Käse aus den Pyrenäen oder Honig gibt. Manche Standler passen sich an und stehen nackt dort, nur mit einer Schürze bekleidet. Unsere Tage am FKK-Campingplatz Arnaoutchot vergehen entspannt, wir schwimmen und radeln – alles meist ganz ohne Textilien.

Léon ist ein hübsches Städtchen und nur acht Kilometer vom Campingplatz entfernt. Am nahen See hat die Gemeinde für 80 Camper den Wohnmobilstellplatz Aire de Camping-Car eingerichtet. Es ist ein ebener Rasen-Platz mit Imbiss, Frischwasser, Dusche, Entsorgung von Grauwasser oder Chemie- WC. Hunde sind erlaubt. Die Stellplatz-Gebühren von elf Euro pro Nacht zahlen wir bei einem Automaten. Der Sandstrand lädt zum Baden ein, auch Paddeln, Angeln oder Radeln sind gut möglich. Highlight ist ein zweistündiger Boots-Ausflug über den See zum Flüsschen Huchet, der mit einer leichten Strömung über 17 Kilometer zum Meer führt. Der 25-jährige Bootsmann Michael, den es aus England hierher verschlagen hat, rudert zuerst über den See, um zum Flüsschen zu gelangen. Vor zwei Stromschnellen greift er zum Paddel. Das Naturschutzgebiet am Lac De Léon vermittelt uns den Eindruck, wir wären am Amazonas. Wasserlauf und Ufer sind naturbelassen. Reste von Bäumen liegen kreuz und quer. An denen kurvt unser Bootsführer vorsichtig vorbei. Am Vortag hatte durch den starken Regen ein entwurzelter Baum die Fahrrinne verlegt. Der Baum musste entfernt werden. Das war der Grund, warum erst unser zweiter Versuch klappte, diese grüne Lunge zu erleben. Am Weg zurück steigen wir vor den Stromschnellen aus, um ein Stück durch den wilden Wald zu Fuß zu gehen. Dabei beobachten wir, wie Michael mit einem langen Holzstab das Boot geschickt über die Stromschnellen hinaufschiebt.
 
Einzigartig in Europa ist die Wanderdüne von Pilat.
Aquitaine ist das Land der See-Kiefernwälder mit blühendem Ginster am Atlantik. Wir fahren in den „Landes de Gascogne“ durch den größten Kiefernwald Europas in Richtung Norden. Unser Ziel ist die größte Wanderdüne Europas, südlich von Arcachon. Die Düne präsentiert sich als beeindruckend riesiger Berg, wenn man vor ihr steht. Alu-Leitern liegen am Sand und erleichtern den Weg nach oben. Bald sind auch unsere Schuhe voll Sand. Wir sind auf halber Höhe, da rutschen zwei englische Touristinnen an uns vorbei, um möglichst schnell hinunter zu kommen. Ein heftiger Wettstreit entwickelt sich, wer als Erste unten ist. Bei den Beiden sind Hemd und Hose voll mit dem gelben Sand, aber sie lachen und haben ihren Spaß. Ein Pärchen mit einem Hund überholt uns. Dann haben auch wir es auf 110 Meter Seehöhe geschafft. Der Blick weitet sich in Richtung Meer, im Norden liegt Arcachon im Sonnenlicht. Der Abstieg zum Atlantik ist etwas flacher. Ein feiner drei Kilometer langer Sandstrand lädt zum Strandeln ein.

Die Düne von Pilat ist 2,7 Kilometer lang und liegt, nach dem Mont Saint-Michel, auf Platz zwei der meistbesuchten französischen Naturdenkmäler. Nach erfolgreichem halbstündigem Auf- und Abstieg stärken wir uns in der „Cabane du Campeur“, einer Bar-Bistrot-Epicerie am Drei-Stern- Campingplatz „La Foret Du Pilat“, der direkt vor der Düne liegt. Die Leute an der Rezeption sind freundlich, man spricht Deutsch. Das großzügige Schwimmbecken im Freien lassen wir aus, da es schon ein wenig kühl ist. Die Übernachtung am Stellplatz auf festem Boden, mit zehn Ampere Stromanschluss ausgestattet, genießen wir unter den Pinien, mit einem guten Schluck Bordeaux aus Haut Médoc samt Panorama der Sand-Düne.

Am nördlichsten Zipfel von Médoc liegt Euronat. Mit 335 Hektar ist es ein riesengroßer Platz, mitten im Pinienwald am Meer. Wir erkunden das Dorfzentrum mit vielen Geschäften, Bars und Restaurants. Dort borgen wir uns Räder aus, um in zehn Minuten zum 1,5 Kilometer langen, weitläufigen Sand-Strand mit tollen Wellen zu gelangen. Zurück im Herzen der Anlage am großen Marktplatz lockt abends das Restaurant „La Boite à Sardines“, die Sardinenbüchse, mit feinen Meeres-Spezialitäten und Weinen aus Médoc. Zu uns stößt Maren Schott von der Rezeption. Die junge Dame ist als Kind viele Jahre lang mit den Eltern aus Deutschland zum Urlaub hierhergekommen. Viel später hat sie in der Heimat ihr Studium beendet, sich um ihren ersten Job beworben und wurde zu ihrer großen Freude gleich engagiert. Für sie ist es ein Traumjob, den sie hier ausübt. Nacktsein ist gar kein Problem, allerdings ist sie bei der Begrüßung am Empfang lieber leger gekleidet.

Es heißt Abschied nehmen. Am Weg zum Flughafen von Bordeaux passieren wir als erstes die kleine Ortschaft Vensac, das Dorf der Puppen. Dort sind die Mounaques, Puppen in Menschengröße, ausgestellt. Diese Tradition hat ihren Ursprung im Jahr 2001, als zwei Einwohner Puppen nach dem Abbild der hiesigen Dorfbewohner fabrizierten. Jedes Jahr beginnt nun ein richtiger Wettbewerb um die besten Figuren. Nach einem Kaffee geht es auf der „Route du Médoc“ weiter, um die berühmteste Wein-Region der Welt kennenzulernen.

Bei zwei Schlössern, „Les Notables de Maucaillou“ in Moulis und „Chateau Desmirail“ in Margaux, machen wir halt. Dort bekommen wir sogar den Weinkeller zu sehen und verlassen glücklich mit zwei, drei Flaschen die Weingüter. Am Flughafen geben wir unseren Camper ab und machen uns auf den Weg zurück in die Heimat, mit tollen Eindrücken und edlen bordeauxroten Schätzen aus Médoc.
Von Karl Kaltenegger
Fotos: Karl Kaltenegger, Alban Gilbert, Euronat
Grafik: Christian Jakl


CAMPINGPLÄTZE


Arnaoutchot
5006, Route de Pichelèbe
F-40560 Vielle-Saint-Girons
contact@arna.com
www.arna.com


Aire de Camping-Car - Lac de Léon
Route des Puntaou,
F-40550 Léon
www.leon.fr

La Forêt Du Pilat
Route de Biscarrosse
F-33115 Pyla-sur-Mer
camping.foret@wanadoo.fr
www.campinglaforet.fr


Euronat
F-33590 Grayan-l‘Hôpital
Tel. +33 5 56 09 33 33
info@euronat.fr
www.euronat.fr/de


INFOBOX

Atout France - Französische Zentrale für Tourismus at.france.fr

Urlaub auf französischen FKK-Campingplätzen
www.france4naturisme.com/de
Ein Artikel aus der Camping Revue 2/2021.
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