Traumroute Finnland
Bestechend Schön

Erleben Sie wilde Natur, gastfreundliche Menschen, hervorragendes Essen, leere Straßen und kulturelle Vielfalt - aber keine Gelsen!
Moskitos und Gelsenstiche. Das ist es, was viele Menschen von Finnland erwarten. Aber sie täuschen sich. Auf unserer 14-tägigen Tour haben wir von Moskitos weder etwas mit- noch von ihnen abbekommen. Und dennoch ist das östlichste Land Skandinaviens bestechend schön. Und vollkommen stressfrei.

Die Finnen ticken einfach anders. Das erfahren wir schon an Bord der Finnstar, wo wir Kapitän Juha Suominen kennenlernen, den wir ausnahmsweise auf seiner Brücke besuchen dürfen. Der Mann ist die Ruhe in Person. Aber anders lässt sich so ein 220 Meter langes Schiff, das bis zu 500 Passagiere und auf 4200 Lademetern jede Menge Lkw, Autos und natürlich Wohnmobile von Travemünde nach Helsinki transportiert, wohl auch nicht kommandieren. 
 
Olli Rinne kommandiert gleich eine ganze Flotte. Die passt locker auf den Anhänger hinter seinem Sprinter, kann ohne Mühe von zwei Personen zu Wasser gelassen werden und von denen auch lautlos und abgasfrei fortbewegt werden. Ollis Unternehmen „Feelthenature“ organisiert Kanutouren durch den Nuuksio Nationalpark. Außer den kleinen Platschern, die beim Einstechen der Paddel ins Wasser entstehen, herrscht himmlische Ruhe. Sacht gleiten die Kanus über den spiegelglatten und glasklaren See. Für Adrenalinjunkies ist das nichts. Aber wer Tiefenentspannung sucht – bitte sehr.
 
Richtig entspannt wirkt auch Yrjö Sahlstedt, den wir vor der Tourist-Information in Hanko treffen. Der Architekt im Ruhestand war einmal Stadtbaumeister der südlichsten Stadt Finnlands und weiß heute eine Menge zu erzählen über den ehemaligen Kurort, seine Geschichte, die Menschen und natürlich die Architektur der filigranen Holzvillen im Kurpark. Weil wir ins Zentrum Hankos geradelt sind, entscheiden wir uns eine Stadtführung per Bike: „Da kann ich Euch noch viel mehr zeigen.“ Zunächst einmal den Wasserturm, von dessen Galerie wir einen Panoramablick über die Hafenstadt mit der großen Geschichte haben. Dann geht’s quer durchs Villenviertel, zur Schule, für deren Umbau sich Yrjö verantwortlich zeigte, an den Strand mit seinen kleinen Umkleidehäuschen und dann in den Kurpark. Mit Kuren wird in Hanko kein Geld mehr verdient, aber mit Autos, wie Yrjö erzählt: „70 Prozent aller Autoimporte Finnlands laufen über Hanko. Hier legen die schwimmenden Parkhäuser an, noch im Hafen werden die Autos auf finnische Bestimmungen umgebaut.“ Hanko ist der einzige finnische Hafen, der ganzjährig eisfrei bleibt. Aus den geplanten eineinhalb Stunden Stadtführung werden drei. Wir essen im Hafen noch eine schmackhafte Lachssuppe und reden über Gott, die Welt, aber auch über die russischen Nachbarn, die Hanko schon belagerten. Für Yrjö sind die Russen zwar keine Bedrohung mehr, aber richtig warm wird er mit ihnen nicht mehr.
 
 
Der Zar herrscht noch immer in Turku - als Bronze-Statue
Fähren ersetzen oft die Brücken
Abendstimmung an Finnlands Seen
Die Tischer-Kabine bietet reichlich Komfort
Richtig heiß wird’s in der Sauna. Es geht nicht ohne, wenn man nach Finnland reist. Die Fasssauna auf dem Camping Silversand, die wir ganz für uns allein haben, bietet Entspannung pur. Die Betreiber haben ein altes Holzfass zur Sauna für zwei Personen umbauen lassen und dieses direkt am platzeigenen Strand aufgebaut. Zur Abkühlung geht’s ins Meer. Herrlich. Herrlich ist auch das, was Magnus Ekström für uns gekocht hat. Es ist das kulinarische Highlight auf einer Reise, auf der wir mehr als nur einmal wunderbar gegessen haben. Magnus führt in Hanko das Restaurant På Kroken (deutsch: Am Haken). Die Tätowierungen auf den Armen des bulligen Kochkünstlers erzählen von seiner Vergangenheit als Seemann, die Platte mit Muscheln, Garnelen, Langusten und einem ganzen Hummer von seinen handwerklichen Fähigkeiten. „Meeresfrüchte haben einen sehr feinen Eigengeschmack. Da muss man mit Gewürzen sparsam sein, sonst übertüncht man alles“, verrät der Mittvierziger das Geheimnis dieses einmaligen Geschmackserlebnisses. Dass die Ware fangfrisch ist, versteht sich in einem Restaurant direkt am Meer von selbst.
 
Restaurants gibt’s in Turku auch auf dem Wasser. Zahlreiche Restaurantschiffe liegen am Ufer des kanalisierten Flusses Aura, der die Ostsee mit dem Zentrum der Universitätsstadt verbindet. „Turku ist die älteste Stadt Finnlands, die Wiege der finnischen Kultur und war auch finnische Hauptstadt“, erzählt uns Birgit Griese-Saarinen. Doch als nach Ende des russisch-schwedischen Kriegs Finnland an Russland fiel, verlegte Zar Alexander die Hauptstadt im Jahr 1812 kurzerhand in das bis dahin unbedeutende Helsinki, einfach weil es von Sankt Petersburg aus besser erreichbar war. Das stört heute in Turku niemanden mehr, weiß die gebürtige Deutsche, die vor gut 20 Jahren als Studentin der Skandinavistik nach Turku kam und hängen blieb. Etwa ein Drittel der 180.000 Seelen sind heute Studenten, was im Stadtbild deutlich sichtbar ist. 
 
„Die Finnen sind gastfreundlich, lieben Eiscreme und sind insgesamt sehr pragmatisch denkende Menschen“, berichtet die Wahlfinnin. Das merkt man auch bei der Verkehrspolitik. „Alle Fähren, die eine Brücke ersetzen, sind in Finnland kostenlos“, erzählt uns Birgit Griese-Saarinen. Das erleben wir auf der Inselgruppe von Iniö, wo wir für eine Strecke von 15 Kilometern gleich zwei Mal übersetzen müssen. Die Fähre durch die Schären, die uns erst nach Kökar und am anderen Tag nach Långnäs bringt, kostet eine Stange, dafür sind im Tarif von gut 450 Euro gleich beide Teilstrecken drin, obendrein bekommen wir auf der Reise zumindest einen Teil der rund 80.000 Eilanden zu sehen, die gemeinsam die autonome Inselgruppe Åland bilden. Völkerrechtlich gehört Åland zwar zu Finnland, doch wird hier ausschließlich schwedisch gesprochen. Räumlich ist auch Stockholm deutlich näher als Helsinki. 
 
Die Schärenbewohner sind ein bisschen eigensinnig. Muss man wohl auch sein, wenn man hier Bier braut, das beste Bier Skandinaviens, wurde uns allenthalben gesagt. Das überprüfen wir bei eine Besuch der Brauerei Stallhagen. Dort kredenzt uns Mitinhaber Christian Ekström sein „Wrack-Bier“. „Taucher haben aus dem Wrack eines Segelschiffs, das 1843 vor Mariehamn gesunken ist, alte Bierflaschen geborgen. Davon habe ich drei Flaschen gekauft und an der Universität in Helsinki analysieren lassen“, berichtet der Jungunternehmer. Auf dieser Analyse basiert das Braurezept des Flaggschiffs unter den Stallhagen-Bieren, das stilecht in Flaschen mit Korkverschluss abgefüllt wird. Wir lassen die Korken knallen – auf Stallhagen, auf Åland und auf das wunderbare Wohnmobil-Reiseziel Finnland.
 

Tipps und Infos für Ihre Reise nach Finnland


Anreise

Mit der Fähre geht es am schnellsten und erholsamsten. Die Nachtfähre von Finnlines bringt Reisemobil und Passagiere von Travemünde nach Helsinki, wo man nach einem Frühstück auf dem Schiff erholt seine Reise antritt. Natürlich fährt Finnlines auch wieder zurück. Die einfache Fahrt für zwei Personen in einem Reisemobil plus Innenkabine ist in der Nebensaison ab rund 850 Euro zu haben (exakte Tarife unter www.finnlines.com). Inselhopper kommen von Aland mit einer kurzen Fährverbindung nach Stockholm und reisen von dort durch Schweden und Dänemark auch auf dem Landweg zurück, was allerdings mindestens zwei weitere Tage in Anspruch nimmt. 

Reisezeit

Die finnischen Touristiker behaupten natürlich, das Land sei zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Wir bevorzugen die Sommermonate von Juni bis Ende August. Zwar gibt es in Finnland keine staatlich festgelegten Ferientermin –  jede Schule legt das selbst fest – doch ist erfahrungsgemäß im Juli auf den Campingplätzen am meisten los.

Landestypisches

Finnland lebt zeitversetzt von Mitteleuropa. Auf der Fähre stellt man die Uhr eine Stunde vor. Bezahlt wird in Euro, so bleiben die Preise vergleichbar. Generell sind die Lebenshaltungskosten in Finnland höher als in Österreich, was besonders in Restaurants und dort besonders bei alkoholischen Getränken deutlich wird.

Fahren

Innerorts gilt Tempo 50, außerorts sind 80 km/h erlaubt, auf breit ausgebauten Straßen 100 km/ und auf Autobahnen 120 km/h. Der Reisende tut gut, sich an diese Limits zu halten, denn die Bußgelder sind drastisch. Schon eine geringfügige Überschreitung kostet innerorts 85 Euro. Dafür ist Stau für die Finnen ein Fremdwort. Lediglich in Helsinki und Umgebung ist mit höherem Verkehrsaufkommen zu rechnen

Camping

Finnland hat ein flächendeckendes Netz an Campingplätzen. Außerhalb darf man höchstens auf Privatgelände mit ausdrücklicher Erlaubnis des Besitzers übernachten, zum Beispiel vor Restaurants. Wir haben auf unserer Reise folgende Campingplätze besucht:
Region Helsinki: Sun Camping Espoo (www.suncamping.fi),
Hanko: Camping Silversand (www.cornia.fi),
Region Turku: Ruisalo Camping (http://www.visitturku.fi),
Aland: Sandvik Gästhamn 6 Camping, Munvervan, AX-22730 Kökar, Tel. +358 18 55911, Gröna Uddens Camping, Östernäsvägen 26, AX-22100 Mariehamn, Tel. +358 18 21121.

Finnland im Mietmobil 

Wer kein eigenes Reisemobil besitzt, kann auch nach Helsinki fliegen und dort ein Reisemobil mieten. Der Dethleffs-Ableger Mc Rent betreibt in Helsinki eine Vermietstation, Kosten je nach Fahrzeuggröße und Saison zwischen 70 und 140 pro Tag.

Weitere Infos 

Umfangreiche Informationen über Finnland und seine Regionen finden sich auf der Homepage des Tourismusbüros Visitfinland (www.visitfinland.com) und in unseren Länderinfos.

Autor: Martin Häußermann
Fotos: Häußermann


Unseren Mitgliedern bieten wir gerne das ÖCC Reiseservice an.


Brauchen Sie für Ihren Urlaub noch einen Campingführer oder ein Rabattsystem? Dann besuchen Sie unseren SHOP!
 
 


Stand der Informationen: 01.11.2018

Jetzt Mitglied werden
RegistrierenLogin Mitgliederbereich