Der Spreewald hat immer Saison

Ein Reisebericht aus dem Spreewald
© Claudia Gigler
Alte Bräuche und neue Events locken Touristen zu jeder Zeit ins mystisch-feuchte Grün südöstlich von Berlin. Einige Campingplätze sind das ganze Jahr über geöffnet.
Zu Jahresbeginn herrscht tiefster Winter im Umland von Berlin. Die Wasserläufe des Spreewaldes glitzern – halb zugefroren – im gleißenden Sonnenlicht. Um diese Zeit fällt es bis direkt an den Boden, während es im Sommer von der dichten Laubdecke abgehalten wird, die für angenehme Kühle sorgt.

Der Spreewald in der Lausitz im Osten Deutschlands hat immer Saison. Das liegt an der wandelbaren Natur, aber auch an den gelebten Bräuchen: Grüße aus der sorbisch geprägten Vergangenheit. Heute sind die Riten der slawischen Minderheit Gold für den Tourismus: Die „Wendische Fastnacht“, „Zapust“ genannt, ist geprägt vom dörflichen „Zampern“ (Vertreiben der bösen Geister), dem „Zapust-Umzug“ und dem Eierkuchenball. Zu Ostern erleben kunstvoll bemalte Eier ihre Blütezeit.

Rockfestival und Fruchtbarkeitsritual

Es geht auch modern. Anfang August pilgern Scharen von Rockfans zum „Rock in Wotschofska“ in die Spree-Auen. Im Ort Burg hingegen werden die Hähne „gerupft“, ein Fruchtbarkeitsritual für junge Männer. Wer es nicht so blutig mag, huldigt den Ernteköniginnen, die sich beim Froschkarren oder Eierlauf beweisen müssen. Im Herbst locken die „Geisterkahnfahrten“ zu nächtlicher Stunde. Und für Weihnachten gibt uns Dirk Schollmeier schon im Spätsommer bunt glitzernde Eicheln, kunstvoll gefertigten Weihnachtsschmuck, mit.

Dirk ist Spreewaldkahnfahrer in Lübbenau, eine Autostunde südöstlich von Berlin. Vom beschaulichen Wohnmobil-Stellplatz Dammstraße aus sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Hafen am Stadtkern, von wo aus die Touren starten. Mit einem vier Meter langen „Rudel“ stakt Dirk unseren Kahn durchs Wasser – fünf Stunden langdauert die Fahrt, die über bemooste Wasser und durch mehrere Schleusen führt.
© Claudia Gigler
Ein schmaler Wasserlauf führt
                           unter dichtem grünem Blätterdach durch den Spreewald. Sonnenlicht fällt durch die Baumkronen und spiegelt sich auf der Wasseroberfläche;
                           an beiden Ufern wachsen Gräser, Sträucher und Bäume.
Das dichte Blätterdach sorgt selbst an sonnigen Tagen für angenehme Kühle.
© Claudia Gigler
in geschotterter
                           Weg führt durch einen dicht bewachsenen Laubwald. Links verläuft ein schmaler Wasserlauf zwischen Birken, Farnen und weiteren
                           grünen Pflanzen. Sonnenlicht fällt durch die Baumkronen auf den Weg und das Wasser.
Zu Fuß oder mit dem Rad geht es unter dem dichten Blätterdach an den Wasserläufen entlang.
© Claudia Gigler
Ein großer kegelförmiger Heuhaufen
                           steht auf einer grünen Wiese am Ufer eines schmalen Wasserlaufs. Aus der Spitze ragt ein langer Holzpfahl. Im Hintergrund
                           wachsen dichte Laubbäume unter einem bedeckten Himmel.
Heu, Wasser und dichtes Grün prägen die ländliche Seite des Spreewaldes.
© Claudia Gigler
Eine weitläufige grüne Wiese erstreckt
                           sich hinter hohen Uferpflanzen. Am gegenüberliegenden Rand stehen mehrere dunkle Holzhäuser und kleinere Nebengebäude zwischen
                           Bäumen und Gärten. Über der Landschaft liegt ein bedeckter Himmel, das Bild wird oben von belaubten Ästen eingerahmt.
Hinter dem hohen Ufergras liegen die Häuser weit verstreut im Grünen.
© Claudia Gigler
Ein Spreewaldkahn mit roten Polstern liegt an einem Holzsteg vor der Wotschofska-Brücke.
                           Eine Person bereitet den Kahn am Ufer vor, während weitere Personen die mit Blumen geschmückte Holzbrücke überqueren. Hinter
                           dem Kahn fahren mehrere Personen in Kanus auf dem schmalen Wasserlauf.
Motoren sind hier nicht erlaubt.
© Claudia Gigler
Dunkelbraune Holzbrücke mit der weißen
                           Aufschrift „Wotschofska“ über einem schmalen Wasserlauf. Blumenkästen mit roten Blüten schmücken das Brückengeländer; am Ufer
                           stehen Pflanzgefäße mit weißen und rosafarbenen Hortensien. Dichte grüne Bäume und Sträucher umgeben die Brücke.
Die begrünte Holzbrücke markiert die Wotschofska mitten im Spreewald.
© Claudia Gigler
Gastgarten unter hohen Laubbäumen mit zahlreichen
                           besetzten Tischen und grünen Sonnenschirmen. Im Vordergrund stehen mehrere gelbe und braune Liegestühle auf einer mit Holzspänen
                           bedeckten Fläche; dahinter befinden sich dunkel gestrichene Gebäude mit roten Dächern.
Der schattige Gastgarten in Wotschofska lädt zur Einkehr ein.
© Claudia Gigler
Metallfigur mit ausgestrecktem Arm auf dem
                           Rand eines runden gemauerten Brunnens. Neben der Figur liegt eine kugelförmige Metallskulptur an einer Kette. Im Hintergrund
                           befindet sich der Eingang eines roten Backsteingebäudes mit einem Schild des Spreewald-Museums.
Eine ungewöhnliche Figur begrüßt uns vor dem Spreewald-Museum.
© Claudia Gigler
Eine Person mit
                           Brille, weißem Poloshirt und dunkelblauer Weste sitzt in einem Spreewaldkahn mit roten Polstern und Holztischen. Im Hintergrund
                           ist das grüne Wasser eines Fließes zu sehen.
Fünf Stunden lang stakt Kahnfahrer Dirk den Kahn durch die Wasserwege des Spreewaldes.
© Claudia Gigler
Zwei Personen paddeln
                           in einem blauen Kajak auf einem schmalen Wasserlauf. Am Ufer stehen ein dunkles Holzhaus und mehrere flache Kähne; im Hintergrund
                           führt eine hölzerne Fußgängerbrücke über das von Bäumen gesäumte Wasser.
Auf den schmalen Wasserwegen lässt sich das grüne Herz des Spreewaldes erkunden.
© Claudia Gigler
Ein schmaler, geradliniger Wasserlauf führt durch einen dicht bewachsenen
                           Laubwald. Auf der ruhigen, dunklen Wasseroberfläche spiegeln sich Baumstämme, Blätter und Sonnenlicht. Farne, Gräser und weitere
                           Pflanzen säumen beide Ufer.
Grüner Lebensraum im Biosphärenpark.
© Claudia Gigler
Ein schmaler Wasserlauf führt durch
                           einen dicht bewachsenen Laubwald. Die Wasseroberfläche ist fast vollständig von einer leuchtend grünen Pflanzendecke bedeckt.
                           Ein abgebrochener Baumstamm liegt quer über dem Wasser, links steht ein hoher, gesplitterter Baumstumpf.
Die bemoosten Kanäle sind als sogenannte "Fließen" bekannt.

Auch die Post kommt per Kahn

„Da kommt die Postfrau“, sagt Dirk. In Lehde, einem Ortsteil von Lübbenau, sind drei Viertel der Höfe nur übers Wasser erreichbar. Auch Briefe und Pakete kommen per Boot und werden in Briefkästen, die aussehen wie Puppenhäuser, deponiert. Feuerwehr, Arzt, Müllabfuhr: Alle kommen mit dem Kahn. Radler und Fußgänger müssen steile Brücken überwinden.

Zurück am Hafen, führt kein Weg an der Spreewaldgurke vorbei. Früher lebten die Kleinbauern der ganzen Ost-Region davon, dass sich die Gläser gegen wertvolle Devisen gut im Westen verkaufen ließen. Wir kosten Knoblauchgurken, Pfeffergurken, Senfgurken – und erwerben dann die, die es bei uns am Campingplatz gibt!

Gute Kulinarik bis Sole-Thermalbad

Der Lübbenauer Naturcampingplatz „Am Schlosspark“ und der Knaus Camping Platz 15 Kilometer weiter nördlich, in Lübben, haben ganzjährig geöffnet. Radfahren und Wandern lässt sich hier immer. Spätestens Anfang April geht es mit den Kahn- und Paddeltouren so richtig los. Manche zieht es weiter in Richtung Osten, ins weitläufige Dorf Burg. Kulinarisch warten hier die noch besseren Angebote, verrät uns Dirk. Und im UNESCO Biosphärenreservat Spreewald gibt es sogar ein Sole-Thermalbad.

Die Jungen kommen zum Feiern in den Spreewald, die Älteren suchen die Entschleunigung. Wir waren Dirks einzige Tour heute, und auch er sieht einem geruhsamen Abend entgegen. Den beruflichen Umstieg aufs Kahnfahren hat er nie bereut.
© Claudia Gigler
Begrünter Garten am Ufer eines Wasserlaufs
                           mit zahlreichen Blumen, Pflanzgefäßen und mehreren dekorativen Figuren. Im Vordergrund stehen eine Figur mit Schubkarre und
                           eine Kranichfigur; dahinter befinden sich eine rote Sitzgruppe, eine hohe Hecke und Obstbäume.
Liebevoll gestaltete Gärten säumen die Wasserwege des Spreewaldes.
© Claudia Gigler
Eine steile Holzbrücke
                           mit schmalen Stufen und beidseitigem Geländer führt über einen kleinen, von dichtem Grün umgebenen Wasserlauf. Sonnenlicht
                           fällt durch die Baumkronen auf die Brücke und den Waldboden.
Die steilen Holzbrücken sind für Radfahrer und Fußgänger eine kleine Herausforderung.
© Claudia Gigler
Zwei Personen gehen über
                           eine hohe Holzbrücke, während mehrere Personen mit Kajaks und Kanus auf dem schmalen Wasserlauf darunter hindurchfahren. Am
                           Ufer stehen Bäume und ein Gebäude mit Sitzplätzen im Freien.
Der Spreewald ist mit 300 Wasserläufen und wenigen Brücken ein Naturparadies.
© Claudia Gigler
Ein schmaler Wasserlauf verläuft
                           durch einen dicht bewachsenen Laubwald. Eine schräg stehende Birke ragt über das dunkle Wasser, das von Farnen, Gräsern und
                           weiteren Bäumen gesäumt wird. Rechts führt ein schmaler Weg am Ufer entlang, Sonnenlicht fällt durch die Baumkronen.
Waldwege und Fließe verlaufen im Spreewald oft unmittelbar nebeneinander.
© Claudia Gigler
Eine Person in Kleidung
                           der Deutschen Post steht in einem schwarz-gelben Kahn und bewegt das Boot mit einer langen Holzstange. Im Kahn befinden sich
                           gelbe Postkisten mit Briefen und Paketen; das Ufer ist dicht mit Sträuchern und Gräsern bewachsen.
Wo viele Höfe nur übers Wasser erreichbar sind, kommt auch die Post mit dem Kahn.
© Claudia Gigler
Kleines dunkelbraunes Holzhäuschen
                           mit weiß gerahmtem Fenster, Miniaturbalkon und der Aufschrift „Dolzke 1“. Der hausförmige Briefkasten steht auf Holzpfosten
                           über mehreren Steinen. Dahinter befinden sich zwei größere traditionelle Holzhäuser mit weißen Fenstern und geschnitzten Giebelverzierungen.
Die Briefkästen sehen aus wie Miniaturausgaben der traditionellen Holzhäuser.
© Claudia Gigler
Dunkelbrauner, hausförmiger Holzkasten mit der
                           Aufschrift „Pakete“ in einem begrünten Garten. Der Kasten besitzt eine Tür, zwei kleine Fenster mit Blumenschmuck und einen
                           überdachten Aufbau. Im Hintergrund stehen Nadelbäume, ein Wohnhaus und weitere Gartenelemente.
Die Post wird hier mit dem Kahn geliefert und deponiert.
© Claudia Gigler
Werbeschild für die „Original Fährmanns-Gurke“ auf einem
                           gepflasterten Platz. Das Schild zeigt mehrere Gewürzgurken und den Hinweis „Hier kosten und kaufen!“. Im Hintergrund stehen
                           Verkaufsstände mit regionalen Produkten.
Am Hafen lockt die Fährmanns-Gurke zum Kosten.
© Claudia Gigler
Grünes Verkaufsschild mit der Aufschrift „Original Spreewälder Gurken
                           & Sauerkraut“ auf einem gepflasterten Platz. Auf dem Schild sind außerdem der Hinweis „aus Lübbenau“ und das Zeichen für eine
                           geschützte geografische Angabe zu sehen.
Eine Gurke ist (fast) immer dabei.
© Claudia Gigler
Zahlreiche Wohnmobile stehen in
                           zwei Reihen auf begrünten Stellflächen entlang eines geschotterten Fahrwegs. Kleine weiße Markierungen grenzen die einzelnen
                           Stellplätze voneinander ab. Im Hintergrund wachsen hohe Laubbäume unter einem bedeckten Himmel.
Vom Stellplatz Dammstraße ist es nicht weit zum Stadtkern von Lübbenau.
© Claudia Gigler
Zwei rosafarbene Liegestühle
                           stehen in einem überdachten Holzunterstand. An der Rückwand hängen drei Plakate mit den Aufschriften „Paddeln im Spreewald“,
                           „Kahnfahren im Spreewald“ und „Radfahren im Spreewald“. Zwischen den Stühlen befinden sich ein kleiner Holztisch mit Pflanze
                           und eine Schubkarre; rechts hängen ein Feuerlöscher und ein Regal mit Informationsmaterial.
Paddeln, Kahnfahren oder Radfahren: Im Spreewald führen viele Wege durch die Natur.
© Claudia Gigler
Ein weißes Wohnmobil
                           steht auf einer grünen Rasenfläche. Am Heck befindet sich ein ausgeklappter Fahrradträger, daneben steht ein schwarzes Fahrrad
                           mit Gepäcktasche. Im Hintergrund sind weitere Wohnmobile, Bäume und ein geschotterter Fahrweg zu sehen.
Wohnmobil und Fahrrad bieten eine praktische Kombination, um den Spreewald zu erkunden.
© Claudia Gigler
Eine Person mit Fahrradhelm, Sonnenbrille und Rucksack sitzt auf einem schwarzen
                           Fahrrad und blickt in Richtung Kamera. Das Fahrrad steht auf einem unbefestigten Waldweg neben einem schmalen Wasserlauf,
                           der von Gräsern, Sträuchern und Laubbäumen gesäumt wird.
Radvergnügen dicht am Wasser.

Tipps & Infos

Campingplätze

Natur-Camping „Am Schlosspark“ in Lübbenau
Schloßbezirk 20, D-03222 Lübbenau/Spreewald
spreewaldcamping.de

Spreewald Caravan- und Wohnmobilpark Dammstraße
Dammstraße 62 d, D-03222 Lübbenau/Spreewald
spreewald.xyz

Spreewald-Camping in Lübben
Am Burglehn 10, D-15907 Lübben/Spreewald
knauscamp.de/luebben-spreewald

Tourismusverband

Tourismusverband Spreewald
spreewald.de

Reiseführer

Michael Müller: Reiseführer Spreewald
mit ausführlichen Wegbeschreibungen zu je 5 Wanderungen, Rad- und Paddeltouren.

Ingrid Annel: Im Reich des Wassermanns.
Sagen und Märchen aus dem Spreewald.


Text und Bild: Claudia Gigler


Ein Artikel aus der Camping Revue 2/2026.

Die Camping Revue erhalten Sie als Mitglied des ÖCC 6 mal im Jahr kostenlos nach Hause geliefert.


Sie möchten rund um das Thema Camping am Laufenden sein? Dann melden Sie sich für unseren monatlichen Newsletter an oder folgen uns auf Instagram oder Facebook!


Jetzt Mitglied werden
RegistrierenLogin