© Angelika Mandler-Saul
Urlaub wie damals
„Mit Camping lässt sich die Langsamkeit wiederentdecken. Doch wir müssen uns dafür entscheiden und eine neue Kulturform erlernen.“
Nervt Sie das ständige „Pling, pling!“ auch so? Der kleine metallene Terrorist, der immer in greifbarer Nähe ist, will zu oft meine Aufmerksamkeit. „Eine neue Nachricht ist da!“, reagieren die steinzeitlich geprägten Bereiche meines Gehirns. „Das kann sicher warten“, sagt der Verstand. „Vielleicht sind es Breaking News!“ „Oder nur ein Posting in einem Gruppenchat.“ „Womöglich ist es ein Notfall!“ Und schon geht mein Griff zum geliebt-gehassten Smartphone, ohne das ich scheinbar nicht mehr existieren kann.
Im Alltag geht es oft nicht anders, aber beim Reisen könnten wir das Gerät doch in seine Schranken weisen. Ich jedenfalls sehne mich oft zurück in Zeiten, als mich im Urlaub nicht ein Klingelton, sondern das Licht der Sonne geweckt hat. Als ich ein gutes Restaurant entdeckt habe, indem ich eine Weile herumspaziert bin, die Umgebung inklusive Farben und Gerüche erkundet habe und andere Menschen, manchmal mit Händen und Füßen, um einen Tipp gebeten habe. Ja, mir war manchmal auch langweilig. Dann habe ich vielleicht gedöst oder bin in die fiktiven Welten eines Buches abgetaucht, bis es Zeit fürs Essen war. Die Seele baumeln lassen hat damals jedenfalls viel besser funktioniert.
Camperinnen und Camper bringen gute Voraussetzungen mit, um sich dieses Lebensgefühl wieder zurückzuerobern. Camping ist eine der besten Reiseformen, um die Langsamkeit wiederzuentdecken und im wahrsten Sinne des Wortes abzuschalten. Wer campt, verbringt viel Zeit in der Natur, wo es so viel Schönes und Faszinierendes zu entdecken gibt: Pflanzen, Vögel, Insekten, Wolkenformationen, Erde, frische Luft, klares Wasser, Berge. Man bereitet Mahlzeiten in Ruhe zu und nimmt sich Zeit, sie zu genießen. Man lernt echte Menschen mit Ecken und Kanten kennen, statt in „sozialen“ Medien zu erfahren, wie perfekt nicht alle anderen sind. Aber auch beim Camping braucht es die bewusste Entscheidung, sich auf ein langsameres Tempo einzulassen. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Wir müssen eine neue Kulturform erlernen, um die Vorteile der liebgewordenen Technologie – eingeschränkt – zu nutzen und zugleich den maximalen Erholungseffekt herauszuholen. Wie wäre es zum Beispiel damit: In der Früh Wetter, Tagesroute und Öffnungszeiten checken – und dann ab in den Flugmodus! Einen Versuch wäre es doch wert!
Haben Sie den besten Urlaub seit Langem!
Alexandra Rotter, Chefredakteurin
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