Achtung, Betrüger unterwegs
Falsche Pannenhelfer auf Serbiens Autobahnen, zufällig gefilmt

Böse Überraschungen erleben so manche Camper auf ihrer Urlaubsreise in den Süden. Dreiste Betrüger manipulieren Campingfahrzeuge und bieten im Anschluss ratlosen Reisenden ihre überteuerten Dienste an. Einen wahren Krimi hat ein Urlauberpaar aus Bayern erlebt. 
Familie Simon aus Deutschland war auf der Rückreise aus dem Griechenland-Urlaub. Auf der Autobahnraststätte Ražanj auf der serbischen A1 wollten die Camper nächtigen. Um auf der sicheren Seite zu sein, suchten sie sich einen gut beleuchteten Parkplatz im hell ausgeleuchteten Bereich unmittelbar bei der Tankstelle. Was in der Nacht dann passierte, verschliefen sie wohl. Aber der Vorfall wurde durch die außen am Frahzeug montierten Kameras gut dokumentiert.

Am Morgen danach ließ sich der Motor nicht mehr starten. Peter Simon, der technisch versiert ist, machte sich auf die Fehlersuche und prüfte alle Anschlüsse. Dabei bemerkte er, dass ein Stecker nur ein klein wenig gelockert war, sodass kein Kontakt mehr bestand. Dieses Problem löste er selbst. 

In der Zwischenzeit allerdings kam der Fahrer des Abschleppdienstes und wollte seine Dienste anbieten. Simon wies ihn ab, mit dem Hinweis, dass er die Polizei rufen würde. Auf der Weiterfahrt kamen die Camper noch mit einem weiteren geschädigten Pärchen in Kontakt, die erzählten, dass in ihr Fahrzeug umbemerkt ein Funkadapter eingebaut wurde, der eine Abschaltung des Motors per Fernbedienung möglich macht. 

Der ÖCC empfiehlt grundsätzlich die Übernachtung auf offiziellen Camping- und Stellplätzen. Eine Reiseplanung ist mit dem ÖAMTC Routenplaner unter oeamtc.at/routenplaner möglich. Dabei können auch Campingplätze und Wohnmobilstellplätze entlang der Reiseroute angezeigt werden. 
Der ÖCC empfiehlt dringend einen ÖAMTC-Schutzbrief für Serbien-Reisende. Bei einer Panne oder anderen verdächteigen Ereignissen sollte man sofort die Schutzbrief-Nothilfe in Wien, die rund um die Uhr unter Tel. +43 1 25 120 00 erreichbar ist, anrufen. Hier kann man über den serbischen Partnerclub eine seriöse Pannenhilfe organisieren. Selbstverständlich ist es auch eine Lösung, die Polizei zu verständigen. 
Die Fotos wurden mit der Frontkamera aufgenommen.
23.37 Uhr: Der Tankwart inspiziert das Fahrzeug und verschwindet wieder.
01.01 Uhr: Eine dunkler Pkw fährt langsam durch das Gelände.
03.30 Uhr: Der schwarze Wagen kommt zurück und der Fahrer steigt aus, um das Typenschild in Augenschein zu nehmen.
03.50 Uhr: Der Mann liegt nur wenige Sekunden unter dem Motorraum und schleicht sich wieder weg.
03.51 Uhr: Kurz nach der Manipulation am Wohnmobil steigt der Mann ins Auto und fährt weg.
06.00 Uhr: Wenige Meter von Famlie Simon parkt sich ein Abschleppwagen ein.

Leserbrief


Sehr geehrte Damen und Herren,

bei der Rückfahrt Mitte September von Griechenland wurden wir auf der Autobahn in Serbien, Höhe Jagodina, von einem serbischen Autofahrer durch Handzeichen auf ein vermeintliches Problem am linken Vorderrad unseres Wohnmobils hingewiesen. Am Pannenstreifen anhaltend griff der Serbe sofort in den Radkasten und verwies - mit schmutziger Hand vorzeigend - auf ein massives Problem. Es gäbe in Jagodina eine Werkstätte, dort könne alles sofort repariert werden. Wir folgten ihm bis dorthin. Das Wohnmobil wurde an der Vorderachse angehoben und keine zehn Minuten später lagen die Kosten für die Behebung vor: nicht ganz 1.300 Euro. Ich hatte von einem ähnlichen Fall schon einmal gelesen und war von Beginn an aufmerksam und misstrauisch. 
Wir nahmen noch in der Werkstätte Kontakt mit der ÖAMTC-Schutzbrief-Hilfe auf und schilderten die Situation, da wir keinesfalls ohne vorherige Begutachtung weitere Aktionen setzen wollten. Es wurde uns bei allen Anliegen prompt und kompetent weiter geholfen - ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten. Ich hatte bisland noch keine Pannenhilfe benötigt. Die Unterstützung hat uns ein gutes und sichere  Gefühl in dieser außerdordentlichen Situation gegeben. 
Wir verließen das Werkstatt-Gelände, parkten an der Hauptstraße und warteten auf den ÖAMTC-Partnerclub. Etwa 15 Minuten später wurden wir durch einen weiteren Autofahrer forsch aufgefordert, den Ort hier zu verlassen. Damit wurde unsere Vermutung nur noch mehr bestätigt, dass hier etwas faul war. Vermutlich können keine weiteren Touristen in die Werkstätte begleitet und abgezockt werden, wenn davor schon ein Wohnmobil parkt. 
Etwa eine Stunde später erschien der Techniker vom Partnerclub, gab sich sofort als im Afutrag des ÖAMTC angefordert aus, und prüfte die linke Radaufhängung und das Radlager des Wohnmobils. In meinem Beisein wurde danach eine ausgiebige Probefahrt durchgeführt. Er zog die Radbolzen nach und bestätigte den einwandfreien Zustand und die sorgenfreie Weiterfahrt. 
Wir verloren durch diesen Umstand zwar zwei Stunden an Fahrzeit, sind jedoch um eine weitere Erkenntnis bei einer Auslandsfahrt reicher: Nämlich Obacht, wenn sofort und gleich ein Schaden aufgrund schmutziger Hände diagnostiziert und man typischerweise in die nächste bekannte Werkstätte zur Behebung des Schadens geleitet wird. 

Christian Richter, Wien

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