Die neue motorbezogene Versicherungssteuer für Wohnmobile
Durch die CO2-Bemessung wird der Unterhalt neuer Wohnmobile erheblich teurer

Die motorbezogene Versicherungssteuer wird seit 1. Oktober 2020 neu bemessen. Der ÖCC ist seit Ankündigung des Gesetzgebers über diese Änderung in Abstimmung mit anderen Interessensvertretungen, kritisiert das Ausmaß der Erhöhung und informiert:  Was bedeutet das für Wohnmobilkäufer und worauf ist zu achten? Wir haben ein paar Beispiele für Sie.
Für Fahrzeuge, die ab dem 01. Oktober 2020 erstmalig zugelassen werden, kommt eine neue Berechnungsmethode für die motorbezogene Versicherungssteuer zur Anwendung. Für Pkw (M1) richtet sich die Steuer dann nicht mehr nur nach der Leistung des Verbrennungsmotors in kW, sondern auch nach den CO2-Emissionen. Bei Motorrädern wird neben dem Hubraum künftig ebenfalls der CO2-Wert in die Berechnung einfließen.

Um die Besteuerung gering zu halten, ist es bereits beim Kauf dementsprechend wichtig auf niedrige CO2-Emissionen (und demnach einen geringen Verbrauch) zu achten.

Für Fahrzeuge, die vor dem 1. Oktober 2020 zugelassen wurden, ändert sich nichts an der Besteuerung.*

Die motorbezogene Versicherungssteuer wird lt. Versicherungssteuergesetz 1953 wie folgt berechnet:

... gemäß § 5 Abs. 1 Z 3 lit. b sublit. bb, um 0,72 Euro je Kilowatt der um 65 Kilowatt verringerten Leistung des Verbrennungsmotors sowie 0,72 Euro je Gramm des um 115 Gramm pro Kilometer verringerten Wertes der CO2-Emissionen in Gramm pro Kilometer; es sind aber mindestens 5 Kilowatt und mindestens 5 Gramm pro Kilometer anzusetzen; ...
weiters:
... 2. Die motorbezogene Versicherungssteuer für Kraftfahrzeuge gemäß Z 1 lit. a sublit. aa, lit. b sublit. aa und lit. c sublit. aa erhöht sich, wenn das Versicherungsentgelt
– halbjährlich zu entrichten ist, um 6%;
– vierteljährlich zu entrichten ist, um 8%;
– monatlich zu entrichten ist, um 10%.
 

Daraus ergibt sich die Formel zur Berechnung:
(kW – 65) * € 0,72 + (CO2 – 115) * € 0,72 = monatliche Steuer (bei jährlicher Entrichtung)

 

Auswirkung auf erstmalig zugelassene Wohnmobile


Wohnmobile haben durch ihr – im Vergleich zu Pkw – hohes Eigengewicht und die große Stirnfläche ungünsitge Vorraussetzungen einen niedrigen CO2-Wert zu erzielen. Zwar kommen in den meisten Fällen top-moderne Euro 6d-TEMP-Motoren aus dem Klein-Lkw-Segment der Fahrzeughersteller zum Einsatz, doch an alternativen Antriebsmöglichkeiten fehlt es nahezu vollständig. Unterflur-Erdagstanks und Batteriepakete würden Platz für Wassertank einnnehmen und das Eigengewicht der Fahrzeuge weit über die 3,5 t-Grenze heben.
Somit sind den Wohnmobilproduzenten im Fall der integrierten Modelle die Hände gebunden, weshalb ihre Fahrzeuge auf Klein-Lkw-Chassis mit Verbrennungsmotoren aufgebaut werden.

Je nach Ausstattung eines Wohnmobils erhöht sich das Gewicht und der Strömungswiderstandskoeffizient (cw-Wert) des Fahrzeugs. Alkoven-Aufbauten, Markise und externe SAT-Anlagen spielen dabei eine große Rolle.
Die WLTP-Werte der Basis-Fahrgestelle (Ducato, Sprinter, Crafter, Boxer, Jumper, usf.) werden erst nach Fertigstellung des Wohnmobils mit dessen Gewicht und Stirnfläche in Berechnungsprogrammen hochgerechnet und ermittelt (gemäß Verordnung (EU) 2017/1151).

Durch die Ausstattungsvielfalt und Kombinationsmöglichkeiten von Wohnmobilen können die Hersteller vor Beendigung des Produktionsprozesses also keine exakte Auskunft über den CO2-Wert geben, der für die Berechnung der motorbezogenen Versicherungssteuer von Nöten ist.

Hier bleibt nur, sich vor dem Kauf bei erfahrenen Verkäufern beraten zu lassen. Diese können Ihnen einen Richtwert geben, wo der CO2-Wert ihres Wunschmodelles in etwa liegen wird. Den exakten Wert werden Sie bei der Fahrzeugübergabe im COC-Papier erfahren.

Tipp: Bei integrierten Wohnmobilen können Sie sich an der Personentransporter-Version Ihres Basisfahrzeugs orientieren (bspw. Fiat Ducato –> Fiat Talento) . Die Fahrzeughersteller geben für diese Verbrauch und CO2-Wert in Katalog und Preisliste an. Durch das Mehr-Gewicht der Sitzbänke und Komfortausstattung gegenüber den Kastenwagen sind diese Verbrauchswerte ein guter Orientierungswert für ihr künftiges Reisemobil.
Peugeot stellt für deren Kleintransporter-Segment gar einen Verbrauchsrechner mit Werten für verschiedene Gewichtsklassen, Radstände und Beladungszustände zur Verfügung: hier ansehen
Doch auch dieser Diesel-Verbrauchswert (l/100km) kann nur als Richtwert angesehen werden und muss mit 26,5** multipliziert (Benzin 23,8**) werden, um einen CO2-Wert in g/km zu erhalten.
Bsp.: Diesel, 10,6 l/100 km Verbrauch x 26,5 = 281 g CO2/km.
Im Beispiel des Transit Custom
                           Nuggets ergibt sich eine Erhöhung von 182 %.
Im Beispiel des Transit Custom Nuggets ergibt sich eine Erhöhung von 182 %.
Der Marco Polo ist um 49% teurer.
Der California ist um 114 % höher besteuert.
Für den Grand California sind € 2.125,44 zu entrichten, was einer Erhöhung um 156 % entspricht.

Motorbezogene Versicherungssteuer für Wohnmobile: Praxisbeispiele


Ford, Mercedes-Benz und Volkswagen geben für ihre Freizeitmobile Transit Custom Nugget, Marco Polo und (Grand) California auf deren Websites tatsächliche CO2-Werte an, anhand dieser wir uns die zu entrichtende motorbezogene Versicherungssteuer ausgerechnet haben.

 

Ford Transit Custom Nugget (96 kW, 9.9 l/100 km, 260 g CO2/km)


Steuer bei Neuzulassung ab 1.10.2020: 1520,64 €/Jahr***
bei Erstzulassung vor 1.10. 2020: 538,56 €/Jahr***





Mercedes-Benz Marco Polo Horizon (140 kW, 7.6 l/100km, 199 g CO2/km)


Steuer bei Neuzulassung ab 1.10.20201373,76 €/Jahr***
bei Erstzulassung vor 1. Oktober 2020: 919,44 €/Jahr***



VW California 6.1 Beach Edition (81 kW, 7.7 l/100 km, 204 g CO2/km)


Steuer bei Neuzulassung ab 1.10.2020: 907,2 €/Jahr***
bei Erstzulassung vor 1. 10. 2020: 424,08 €/Jahr***



VW Grand California 600 (130 kW, 11.3 l/100 km, 296 g CO2/km)
 

Steuer bei Neuzulassung ab 1.10.2020: 2125,44 €/Jahr***
bei Erstzulassung vor 1. 10. 2020: 829,44 €/Jahr***

Anhand dieser Beispiele ist eine deutliche Steuererhöhung durch den CO2-Ausstoß zu erkennen, denn jedes Gramm CO2 erhöht die monatlichen Unterhaltskosten um € 0,72. 
Der Marco Polo ist 10 kW stärker als der Grand California, doch durch den niedrigen CO2-Wert sind für ihn etwa € 750,– weniger Steuer pro Jahr zu entrichten.

Haben Sie Anregungen für uns? Bitte schreiben Sie uns eine Mail an office@campingclub.at.

* Auch für Fahrzeuge, die erstmalig im Ausland zugelassen wurden.
**Quelle: Deutsche Handwerks Zeitung

*** bei jährlicher Zahlung; sämtliche Werte sind als ab-Werte zu verstehn, da diese durch Zusatzausstattung (Allradantrieb, Getriebewahl, Reifen, Hochdach, Markise, usf.)  deutlich steigen können; Berechnung lt. ÖAMTC-Versicherungssteuer-Rechner


Stand der Informationen: 09.10.2020

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