Herbies World-Tour Teil I

Von Klosterneuburg über den Iran und Australien in die USA und retour

Als wir unsere Weltreise am 20. Sep­tember 2009 in Klosterneuburg bei Wien starteten, lautete das Ziel „nur“ Indien. Das Abenteuer führte uns jedoch viel weiter, als wir es uns in un­seren Träumen erhofft hatten. Folgende 28 Nationen haben wir schließlich bereist: Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Syrien, Jordanien, Saudi-Arabien, Oman, Arabische Emirate, Iran, Pakistan, Indien, Malaysia, Thailand, Laos, Vietnam, Kam­bodscha, Australien, Kanada, USA (alle 50 Bundesstaaten ausgenommen Hawaii und Alaska), Mexiko, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama und Belize. Für mich als Käferenthusiasten war klar, dass eine solche Reise nur mit einem luftgekühlten Volkswagen zu be­wältigen wäre. Und so starteten wir den 34 PS starken Motor des original erhaltenen Käfers aus dem Jahre 1963. Im Schlepptau befand sich fortwährend ein Wohnwagen der Marke Qek aus der ehemaligen DDR, Baujahr 1985. Nachdem der Käfer gleich alt war wie Walt Disneys Herbie und sogar dieselbe Farbe trug, wurde dieser ebenso in eine Replika des „tollen Käfers“ verwandelt. Also entstand ein Gespann aus Käfer und Wohnwagen im Herbie-Stil samt rot-weiß-blauen Streifen und der Nummer 53. Dies erweckte allerorts die Aufmerksamkeit der Menschen. Überall wurden wir freundlich empfangen - die Leute winkten uns und schossen Fotos. Möglicherweise dank des Käfers gerieten wir nie in eine gefährliche Situation. Nicht ein einziges Mal bezahlten wir so genanntes „Bakschisch“ oder muss­ten irgendwo für etwas Strafe zahlen - Po­lizisten hielten uns zwar ständig an, aber nur, weil sie ein Foto mit Herbie ergattern wollten.
Laut Tacho sind wir mit Herbie und Wohnwagen mehr als 100.000 Kilometer durch die Welt gegondelt. Dies würde, rein von den Kilometern her betrachtet, einer mehr als zweifachen Umrundung des Äquators entsprechen. Zusätzlich bereisten wir Südostasien mit Bussen - während un­ser Gespann von Indien nach Australien verschifft wurde. Und während der Warte­zeit der Verschiffung von „Down Under“ in die USA, liehen wir uns ein Mietauto, mit welchem wir weitere 16.000 Kilome­ter die Westküste der Vereinigten Staaten erkundeten.
Den europäischen Kontinent hatten wir recht schnell verlassen. Die Türkei schockierte uns mit den höchsten Sprit­preisen der Welt, dafür war die arabische Welt zu unserer Zeit noch nicht von Re­volutionen gebeutelt. Für Saudi-Arabien gab es für uns nur ein 72-Stunden-Tran­sitvisum - also hieß es, in der brütenden Hitze rund 2.500 Kilometer Wüste rasch zu durchqueren. Einziger Bonus: Sprit für 10 Eurocent per Liter! Von den Emiraten nahmen wir ein Schiff über Nacht in den Iran, wo uns schließlich eine Militäreskor­te empfing und uns den weiten Weg in den Nordwesten Pakistans begleitete - dort be­fand sich nämlich die einzig offene Grenz­stelle. In Pakistan wechselten wir erstmals die Straßenseite, doch das Militär wurden wir dennoch nicht los. Wieder mussten wir eine Eskortierung durch das gesamte Land in Kauf nehmen. Doch Sicherheit geht be­kanntlich vor. Und so waren wir immer in uniformierter Begleitung, bis wir Indien erreichten. Es gab wahrscheinlich keinen einzigen Moment in diesem Land, in dem wir nicht alleine waren. Das krasse Gegenteil dazu: Australien. Tausende Kilometer führten uns durch die unbesiedelten Weiten der großen Insel. Zuerst wollte man uns nicht einreisen lassen. Die Voraussetzung für die Einreise war der Umbau des Lenkrades auf die rechte Seite. Doch für einen Oldtimer wurde in unserem Fall eine Ausnahme ge­macht. Anschließend waren die USA an der Reihe - das wahrscheinlich optimale Land für Camper. Allerorts gibt es National­parks und dergleichen mit atemberaubend tollen Übernachtungsplätzen. Das private Angebot an Campingplätzen ist gewaltig. Und wer nicht immer unbedingt den groß­en Komfort benötigt, ist auf den riesigen Parkplatzanlagen der Supermarktkette Wal-Mart auch gerne gesehen. Ganze Camperkolonien treffen einan­der dort, um zu verweilen - während der Wintermonate im Süden des Landes oft für mehrere Monate. Und das, ohne einen einzigen Groschen dafür zu bezahlen. Zum Abschluss reisten wir noch durch Mexiko und alle mittelamerikanischen Länder. Eigentlich wollten wir ja auch nach Süd­amerika. Aber erstens, hätten wir dazu wie­der ein Schiff chartern müssen, da keine Straßenverbindung zwischen Panama und Kolumbien besteht. Und zweitens waren unsere Reisepässe bereits komplett zuge­stempelt und daher war kein Platz mehr für weitere Ländervisa vorhanden. Welche fünf Länder haben uns auf dieser Reise am besten gefallen? Allen voran stehen die USA. An zweiter Stelle kommt Mexiko mit seinen traumhaften Stränden, dieser vielfältigen Landschaft und seinen so freundlichen Menschen. Die Nummer Drei ist wahrscheinlich Südostasien als eine ganze Region, dicht gefolgt von Jorda­nien und Oman.
Was bleibt von dieser Weltreise? Vor allem die Tatsache, dass wir uns nach allem bisher Erlebten in jedem Fall privilegiert fühlen. Eine solche bereichernde Reise, die unseren Horizont enorm erweiterte und uns mit vielen neuen Erlebnissen und Erfahrungen reich beschenkte, ist etwas, was man sein ganzes Leben nicht mehr vergisst. Und wir sind auch froh, gesund zurück und weiter am Leben zu sein. Wir sind rückblickend sehr glücklich über den Schritt, zu Hause alles aufgegeben zu ha­ben und unseren Traum einer Weltreise im „Jetzt“ erlebt zu haben. Unsere ein­fache und bescheidene Art zu reisen, er­möglichte uns, selbst entscheiden zu kön­nen, wann wir wohin fahren und wo wir schlafen. Und dies schenkte uns zusätzlich ein unbezahlbares Gefühl der Freiheit.
Wohin geht die nächste Reise? In diesem Sommer waren wir erst einmal auf groß­er Europareise - wieder mit Herbie und Wohnwagen. Unter anderem standen dabei folgende Ziele auf dem Programm: Tschechien, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Finn­land, Norwegen, Schweden, Däne­mark, Deutsch­land, die Nieder­lande, Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Irland, Frank­reich, Spani­en, Portugal, Schweiz und Italien.
 
Mehr über unsere Abenteuer finden Sie unter www.herbiesworldtour.com.  
 
Text und Bilder: Dominikus Hocher
 
 

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